Schäden am Arbeitsplatz – Wann Arbeitnehmer haften!

Ein Fehler kann jedem passieren. Aber am Arbeitsplatz kann eine kleine Unaufmerksamkeit mitunter schwerwiegende Folgen haben. Zum Beispiel, wenn vor lauter Hektik ein internes Mail mit wichtigen Informationen an die falsche Adresse geschickt wird oder es durch die Unaufmerksamkeit eines Lastwagenfahrers zu einem Unfall kommt. Die Schadenshaftung ist ein ganz besonders umstrittenes Kapitel des Arbeitsrechts. Grundsätzlich muss jeder, der schuldhaft einen Schaden verursacht, dafür aufkommen. Allerdings beschränken die Gerichte die Haftung des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber, um dessen wirtschaftliche Existenz nicht zu gefährden und um zu verhindern, dass ein Arbeitgeber die gesamte Verantwortung auf seine Mitarbeiter abwälzt. Deshalb gibt es im Arbeitsrecht Sonderregelungen für die Haftung von Arbeitnehmern. Diese Regelungen geltend nur für betriebliche veranlasste Tätigkeiten. Ob und in welcher Höhe ein Arbeitnehmer schadensersatzpflichtig ist, hängt davon ab, ob er leicht, mittel oder grob fahrlässig bzw. vorsätzlich gehandelt hat.

  • Leichte Fahrlässigkeit:
    Davon ist z. B. auszugehen, wenn jemand versehentlich den Inhalt seiner Kaffeetasse über die Tastatur schüttet. In einem solchen Fall muss der Arbeitnehmer nicht haften.
  • Mittlere Fahrlässigkeit:
    In diesem Falle werden die Kosten zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt.
  • Grobe Fahrlässigkeit oder vorsätzliche Handlung:
    In diesem Fall muss der Arbeitnehmer für den Schaden allein aufkommen. Dies kann z. B. der Fall sein, wenn jemand gegen ausdrückliche Anweisungen oder unter Alkoholeinfluss einen Fehler begeht bzw. einfachste Sorgfaltsregeln missachtet. Allerdings setzt die Rechtsprechung bei grob fahrlässigem Verhalten zum Teil eine Höchstgrenze, um den Arbeitnehmer nicht in den Ruin zu treiben. So muss er in diesen Fällen in der Regel nicht mehr als 3 bis 4 Monatsgehälter bezahlen.

 

Die Frage, ob und wie fahrlässig ein Arbeitnehmer gehandelt hat, wird im jeweiligen Einzelfall entschieden. Darum sollte man auf keinen Fall ein Schuldanerkenntnis unterschreiben und diesbezügliche Klauseln im Arbeitsvertrag genau prüfen. Ist ein Fehler passiert, muss dies unverzüglich dem Chef mitgeteilt werden. Zudem empfiehlt es sich, den Schadenshergang genau zu dokumentieren und eventuell auch Zeugenaussagen festzuhalten bzw. Fotos zu machen. Im Schadens- bzw. Streitfall sollte unbedingt ein auf Arbeitsrecht spezialisierter Anwalt (Fachanwalt für Arbeitsrecht) zu Rate gezogen werden.

Heiko Posiege - Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Strafrecht

 

<< zurück